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1989

Im Jahre 1989 trat unsere Vereinigung zum ersten Mal mit ihrer Zielsetzung an die Öffentlichkeit. Die im Januar abgeschlossene Drucklegung der Zielsetzung, der Aufnahmeanträge und der Satzung ermöglichte uns nun die Werbung in größerem Stil. Und der Gedanke, die Zielsetzung vor allem an die Besucher von Mahler-Konzerten in der Musikhalle zu verteilen, erwies sich als richtig: Bereits bei der ersten Verteilung im Februar vor Beginn eines Konzerts kamen Interessenten an unseren Informationstisch und traten an Ort und Stelle bei. Es war das Konzert am 12. und 13. Februar 1989 mit dem Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks. Hiroshi Wakasugi dirigierte Mahlers Vierte Symphonie (mit Edith Mathis als Solistin), und es war hilfreich für uns, daß der NDR im Programmheft betonte: ‘Dieses Konzert findet statt in Verbindung mit der Gustav Mahler Vereinigung Hamburg‘. Daß Georg Borchardt das Vergnügen hatte, in der Pause bei der Rundfunkübertragung des Konzerts am 13. Februar zum Thema “Gustav Mahler und das Wort“ zu sprechen, schuf erwünschte Querverbindung bei der Erwähnung unserer Vereinigung. Es war eine Freude, daß das NDR-Sinfonieorchester unser korporatives Mitglied wurde und die Bereitschaft zur Kooperation mit uns zu erkennen gab.

In der Hamburger Tagespresse wurde unsere Vereinigung nun auch durch ein Interview mit Prof. Dr. Floros bekannt. Im Dritten Programm des NDR sprachen er und Georg Borchardt mit Dr. Bernhard Hansen über Mahler und die Ziele unserer Vereinigung. In einer Sendung der NDR HAMBURG-WELLE kamen Prof. Dr. Floros, Dr. Warburg und Georg Borchardt zu Wort. Und im Januar war der russische Komponist Alfred Schnittke, der sich sehr viel auf Mahler beruft, bei uns mit seiner Frau zu Gast.

Unsere erste Veranstaltung war eine Musik- und Vortragssoirée im Überseeclub am 30. April 1989. Sie entsprach unserem Vorhaben, für Gustav Mahler künstlerisch und wissenschaftlich zu wirken. Frau Judith Beckmann sang, begleitet von Irving Beckmann, Lieder von Mahler und Richard Strauß. Prof. Dr. Floros sprach zum Thema “Gustav Mahler heute“. Der Abend fand eine positive Resonanz im HAMBURGER ABENDBLATT und galt als der “Einstand“ der Gustav Mahler Vereinigung. Die Mitgliederzahl war zu unserer Freude in kurzer Zeit rascher gestiegen, als wir es zunächst gehofft hatten: Auf weit über 100.

Schon im Herbst 1988 war der Plan einer Aufführung der Zweiten Symphonie von Gustav Mahler in der St. Michaeliskirche mit dem NDR-Sinfonieorchester entstanden. Diese teilweise im Michel inspirierte und daher hamburgisch zu nennende “Auferstehungs-Symphonie“ sollte am 21. oder 28. April 1989 stattfinden. Daraus wurde jedoch nichts. Wir mußten die Erfahrung machen, daß es im Hamburger Musikleben nicht möglich ist, für ein Konzert außerhalb von Abonnementsreihen genügend zahlendes Publikum zu mobilisieren, es sei denn mit großen Stars. Dafür aber fehlt es unserer Vereinigung an Mitteln.

Wir ließen uns nicht entmutigen und veranstalteten einen Lied- und Vortragsabend mit der jungen Altistin Ruth Maria Nicolay, dem Pianisten Gernot Kahl und Prof. Dr. Floros, der über “Gustav Mahler heute“ referierte. Die Moderation des Abends hatte Georg Borchardt übernommen. Die Veranstaltung fand statt in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule. Damit begann eine sehr erfreuliche Kooperation mit Prof. Hermann Rauhe, dem Präsidenten der Musikhochschule. Unterstützung auf dieser und anderen Veranstaltungen erhielten wir von der Franz Wirth Gedächtnis Stiftung und der Oscar und Vera Ritter Stiftung.

Sehr wichtig wurde für die Arbeit unserer Vereinigung das Gustav Mahler Fest Hamburg mit großem internationalem Kongresses im September 1989. Wir waren auf Einladung des Intendanten der Staatsoper und der Philharmonie, Dr. Peter Ruzicka, daran beteiligt. Unsere Vereinigung steuerte eine Gustav-Mahler-Ausstellung in der Musikhalle, eine kleine Festschrift und ein Gustav-Mahler-Poster bei. Besonders erfreulich war, daß die Internationale Gustav Mahler Gesellschaft Wien uns beitrat, so auch die Freunde des NDR-Sinfonieorchesters, die Scharwenka-Gesellschaft Lübeck, das Musikwissenschaft1iche Institut der Universität Hamburg sowie die Deutsch-Jüdische Gesellschaft, die Erich Wolfgang Korngold Gesellschaft und der Francois-Presley-Verlag.

Nach dem Fest schrieb der zweite Bürgermeister Prof. Dr. Ingo von Münch folgenden Brief an unseren Geschäftführer Georg Borchardt:

“Den großen Erfolg des Gustav Mahler Festes möchte ich zum Anlaß nehmen, der Gustav Mahler Vereinigung für die wertvollen Beiträge zu danken, mit denen die Vereinigung diesem internationalen Orchesterfestival eine musikwissenschaftliche und eine zeitgeschichtliche Dimension hinzugefügt hat. Gerade diese geistigen Dimensionen setzen uns ein Stück vom häufig sehr äußerlichen Festivalgetriebe ab.

Für Ihre junge Vereinigung war das Musikfest eine gute Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Vor dem Eröffnungskonzert hatte ich Gelegenheit, die informative Bilddokumentation im Foyer der Musikhalle anzuschauen. Leider ließ es meine enge zeitliche Disposition nicht zu, eine Veranstaltung des musikwissenschaftlichen Kongresses zu besuchen. Ich habe jedoch das gute Presseecho zur Kenntnis genommen und freue mich mit Ihnen über die rege Beteiligung am Kongreß und dessen erfolgreichen Verlauf. Bitte übermitteln Sie auch Herrn Prof. Floros, dem Hamburger spiritus rector des Kongresses, meine persönlichen Grüße und meinen Dank.

Hamburg hat mit dem Orchesterfestival und dem Mahler-Kongreß an kulturellem Profil gewonnen. Der erfolgreiche Verlauf des Gustav Mahler Festes und das breite positive öffentliche Echo auf das Kulturereignis werden uns helfen, in dieser Richtung weiter voranzukommen. Der Gustav Mahler Vereinigung wünsche ich nach diesem guten Start eine erfolgreiche Weiterarbeit.“

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