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1990

Unsere Absicht ist es von vornherein gewesen, alles Erdenkliche zu tun, um 1991 zu einem Jubiläumsjahr werden zu lassen. Vor hundert Jahren, Ende März 1891 nahm Gustav Mahler seine Tätigkeit als Kapellmeister am Hamburger Stadttheater auf. Wir wollten die Musikfreunde in der Hansestadt daran erinnern und das Jubiläum festlich begehen. Vier verschiedene Aktivitäten schwebten uns vor: die Schaffung einer Gustav-Mah1er-Straße, die Durchführung einer Ausstellung über Mahlers sechs Hamburger Jahre, die Anbringung einer Gedenktafel an dem Haus in der Bundesstraße Nummer 10 und die Veranstaltung eines Konzertes.

Der Zweite Bürgermeister Prof. Dr. von Münch teilte uns mit, daß er unsere Anregung gerne aufgegriffen und sich wegen der Neubenennung eines Straßenabschnitts an die zuständige Senatorin gewandt habe. Darauf erhielten wir einige Monate später die Mitteilung, daß die Bezirksversammlung der Benennung des “Gustav-Mahler-Platzes“ zugestimmt habe. Mittlerweile hatten wir uns viele Gedanken über die Realisierung der Ausstellung über das Wirken Mahlers in den Jahren 1891 bis 1897 in Hamburg gemacht. In einem späteren Gespräch zeigte sich Prof. Dr. von Münch den Zielen unserer Vereinigung wieder sehr aufgeschlossen. Er schlug vor, die Einweihung des Gustav-Mahler-Platzes im Frühjahr 1991 vorzunehmen, und empfahl uns, Kontakt mit Dr. Peter Ruzicka aufzunehmen. Der Intendant der Hamburgischen Staatsoper regte an, die Ausstellung in der Staatsoper zu machen, sie am Tage der Einweihung des Gustav-Mahler-Platzes zu eröffnen und gleichzeitig ein Konzert mit Christa Ludwig zu veranstalten.

In unsere Überlegungen im Sommer und im Herbst 1990 bezogen wir auch unseren Ehrenpräsidenten Leonard Bernstein ein. Wir dachten daran, daß es großartig wäre, wenn er dem Festakt der Einweihung des Gustav-Mahler-Platzes beiwohnen würde, und wir haben auch Schritte unternommen, um ein Festkonzert mit zu veranstalten, das er im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals im Sommer 1991 dirigieren sollte. Bedauerlicherweise vereitelten seine Krankheit und sein Heimgang diese Pläne.

Nun zu der Anbringung der Gedenktafel am Haus in der Bundesstraße Nummer 10. Bereits am 22. Januar 1990 wandten wir uns an den Eigentümer des Hauses mit der Bitte, die Gedächtnistafel anbringen zu dürfen. Nach längerem Schriftwechsel erteilte er uns erfreulicherweise die Genehmigung, und wir dachten daran, schon im Herbst des vergangenen Jahres die Tafel am Gebäude anzubringen - eine Absicht, die sich leider im wahrsten Sinne des Wortes zerschlug, weil die von einer Südtiroler Firma generös gespendete Steintafel zerbrochen in Hamburg ankam und wir nicht so schnell Ersatz beschaffen konnten.

Einige weitere Ereignisse, die in den Zeitraum des Berichtjahres fallen: Am 14. und 15. Januar 1990 veranstaltete der NDR in der Hamburger Musikhalle zusammen mit unserer Vereinigung ein Konzert seines Sinfonieorchesters mit Schostakowitsch‘ Erstem Violinkonzert und Mahlers Fünfter Symphonie unter der Leitung von Emil Tschakarov. Große Resonanz fand übrigens eine Veranstaltung am 4. Mai 1990, zu der wir die Mitglieder unserer Vereinigung und viele Gäste einluden und in der Prof. Dr. Floros und Georg Borchardt über Mahlers Auferstehungssymphonie sprachen.

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