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1992

Zu den wichtigsten Zielsetzungen unserer Vereinigung gehört die Verbreitung der Musik Gustav Mahlers in Norddeutschland. Besonders wichtig erscheint uns dabei, Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis seiner Musik zu schaffen. Wir waren uns in der Auffassung darin einig, daß wir dieses Ziel durch die Veranstaltung von Abenden mit Vorträgen, Referaten und Diskussionen erreichen könnten. Diese Zusammenkünfte sollten den Gedankenaustausch innerhalb der Vereinigung fördern und das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit auf sich ziehen. Wir dachten, dieses Ziel am besten durch die Kooperation mit anderen Institutionen des Hamburger Kulturlebens erreichen zu können, und intensivierten unsere Kontakte zur Hamburgischen Staatsoper, deren Intendant - Prof. Dr. Ruzicka - Mitglied unseres Kuratoriums ist, ferner zur Katholischen Akademie Hamburg, zum Übersee-Club, zur Pfitzner-Gesellschaft und auch zur Scharwenka-Gesellschaft, deren Sitz in Lübeck ist.

Unsere Vereinigung hat im Jahre 1992 nicht weniger als sieben Diskussionsabende veranstaltet bzw. mitveranstaltet. Zu erwähnen ist in erster Linie die Podiumsdiskussion zur Hamburger Erstaufführung von Mahlers Zehnter Symphonie am 19. Januar 1992 - eine Veranstaltung, die von der Hamburgischen Staatsoper initiiert und unter der Leitung von Prof. Dr. Ruzicka und der Mitwirkung unserer Vereinigung im ausverkauften Probensaal der Musikhalle stattfand. Die Gesprächsteilnehmer waren Berthold Goldschmidt, Hans Wollschläger, Dr. Peter Revers (Wien) und Prof. Dr. Floros. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die umstrittene Frage nach der Berechtigung und dem Wert der von Deryck Cooke erstellten “Konzertfassung“ dieses Werkes.

Unser erster Diskussionsabend fand in der Evangelischen Akademie über das Thema “Gustav Mahler heute“ statt. Im Anschluß an die Referate von Georg Borchardt, Prof. Dr. Floros und Dr. Gerhard Schneider entzündete sich eine überaus rege Diskussion. Gleichfalls in der Evangelischen Akademie zeigten Frau und Herr Kuhn einen Videofilm mit einer Aufnahme des “Liedes von der Erde“ unter der Leitung von Simon Rattle.

Auf großes Interesse stieß die Soirée in der Katholischen Akademie am 9. September 1992 “Über das Religiöse bei Gustav Mahler“. Der bekannte Theologe Prof. Dr. Eugen Biser (München) hielt einen Vortrag über das Thema “Der erhebende Klang - Zur Entstehung der musikalischen Inspiration am Beispiel Gustav Mahlers“, Prof. Dr. Floros sprach über “Religiöse Momente in Mahlers Symphonik“. Beide Vorträge liegen inzwischen in einer Broschüre vor, die mit Unterstützung unserer Vereinigung gedruckt worden ist.

Großer Erfolg war der Uraufführung der vierhändigen Klavierfassung der Siebenten Symphonie beschieden - einer von der Hamburgischen Staatsoper und der Scharwenka-Gesellschaft unter Mitwirkung unserer Vereinigung im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe am 4. Oktober 1992 erfolgten Veranstaltung. Frau Prof. Evelinde Trenkner und Frau Silvia Zenker trugen die von Alfredo Casella erstellte Klavierfassung vor.

Unser dritter Diskussionsabend war dem Adagietto der Fünften Symphonie gewidmet. Alexander Odefey, Prof. Dr. Floros, Georg Borchardt und Dr. Schneider referierten über die Entstehungsgeschichte und die Popularität des berühmten Satzes und präsentierten die von Gilbert Kaplan herausgegebene monumentale Faksimileausgabe. Prof. Gerd Albrecht und Prof. Dr. Floros debattierten auf einer weiteren Veranstaltung über verschiedene Aspekte des Mahlerschen Lebens und Schaffens sowie über dessen Aktualität. Von der Pfitzner-Gesellschaft initiiert und unter Mitwirkung unserer Vereinigung fand im Lichtwark-Saal ein Mahler-Pfitzner-Abend statt. Prof. Dr. Johann Peter Vogel (Berlin) sprach über “Mahler, Pfitzner und ihre Nähe zum Volkslied“. Es wurden Lieder von Pfitzner und Mahler vorgetragen.

Besonders erfreulich war es, daß die von Georg Borchardt konzipierte Ausstellung “Gustav Mahlers Hamburger Jahre 1891-1897“ so viel Resonanz fand, daß sie auch außerhalb Hamburgs gezeigt wurde, und zwar in Uetersen, in der Konzertscheune Salzau im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals und in der Kieler Oper. Georg Borchardt hielt bei den Eröffnungen Ansprachen.

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