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Die Entstehung und erste Aktivitäten der Gustav Mahler Vereinigung Hamburg

von Georg Borchardt

Als Mahler mit seiner Musik in den sechziger Jahren durchgesetzt wurde, wuchs auch das biographische Interesse an ihm. So erschien seine Hamburger Zeit in der auf englisch verfaßten Biographie von Henri-Louis De La Grange ausführlich dargestellt, doch in der Hansestadt, die sich dem Englischen so nahe fühlt, blieb das folgenlos. Man entdeckte Mahlers Symphonien, aber niemand schien sich dafür zu interessieren, was sein Wirken in den Jahren 1891 bis 1897 für diese Stadt bedeutete. Die Ehrung, die ihm dafür hätte zukommen sollen, daß er die Hamburger Oper als Dirigent zur angesehensten in Deutschland gemacht hatte, blieb aus. Daran änderte auch das Opernjubiläum im Jahre 1975 (300 Jahre Oper in Hamburg) nichts, und das war so viele Jahre nach der im Dritten Reich erzwungenen antisemitischen Mahler-Verdrängung je länger je mehr ein unwürdiger Zustand. Das absurde Mißverständnis zwischen Mahlers Bedeutung für Hamburg und der mangelnden offiziellen Anerkennung seiner Verdienste blieb in der Hansestadt weitere acht Jahre bestehen.

75 Jahre nach Mahlers Tod zeigte die Hamburger Zentralbibliothek eine Ausstellung zum Thema Gustav Mahler in Hamburg, die von der damaligen Leiterin der Musikabteilung, Elisabeth Diederichs, und ihren Mitarbeitern erstellt worden war. Aus diesem Anlaß schrieb ich einen Artikel mit der Überschrift Wann endlich ehrt Hamburg Gustav Mahler, der am 27. Mai 1986 in der Hamburg-Ausgabe der Zeitung DIE WELT erschien. Darin bezeichnete ich die kleine Ausstellung „als ersten Schritt, um jahrzehntelange hamburgische Mahler-Versäumnisse nachzuholen. Daß Hamburg eine Mahler-Stadt sein könnte, davon haben die Hanseaten noch keinen Begriff ... Jede andere Stadt würde uns um dieses Kapitel Kulturgeschichte beneiden und sich entsprechend verhalten; hier hat man im allgemeinen noch nicht einmal Notiz davon genommen, daß es überhaupt existiert. Hammonia hat zwei ihrer großen Lieblinge, Johannes Brahms und Heinrich Heine, endlich auf öffentlichen Plätzen an ihre breite Brust gedrückt. Den `Bruder in Apoll´ Gustav Mahler hat man ihr bisher schmählich vorenthalten.”

Allmählich wurde mir klar, daß eine Bürgerinitiative vonnöten sein würde, um dem Thema „Mahler und Hamburg“ nachdrücklich Resonanz zu verschaffen. In der Hoffnung, daß viele Musikfreunde darin mit mir übereinstimmen würden, begann ich nach möglichen Verbündeten Ausschau zu halten. Zunächst gewann ich den an der Universität Hamburg lehrenden, namhaften Mahler-Forscher Constantin Floros und Elisabeth Diederichs 1987 für meine Idee, bald auch Lisa Sutor und ihren Cousin, den Bankier Werner Sutor; sodann den Juristen Justus R. G. Warburg und Dorrit Kuhn. Wir sieben gründeten die „Gustav Mahler Vereinigung Hamburg e. V.“ und bildeten dann auch den Vorstand, mit Professor Dr. Floros als Präsidenten, Dr. Warburg als Vizepräsidenten, Werner Sutor als Schatzmeister und mir als Generalsekretär. Das Gründungsdatum ist der 21. April 1988.

Zu meiner großen Freude sagte der seinerzeit prominenteste Mahlerianer, Leonard Bernstein, in einem Gespräch mit mir zu, als Ehrenpräsident der jungen Vereinigung zu fungieren: „That‘s the least I can do for you, my dear.“ (Das ist doch das wenigste, was ich für Sie tun kann, mein Lieber.)

Die entscheidende Starthilfe gab Lisa Sutor; sie finanzierte die Drucklegung der von mir verfaßten „Zielsetzung“ (Auflage 10.000) und der von Dr. Warburg konzipierten Satzung; die rote Rose wurde unser Symbol in der Anspielung auf den Beginn des Alt-Solos in der Zweiten „hamburgischen“ Symphonie (Auferstehungssymphonie) von Mahler. In ihrem Hause empfingen wir den Komponisten Berthold Goldschmidt und später auch den Komponisten Alfred Schnittke als Gäste der Vereinigung.

In der Hamburger Musikhalle stellte sich die Mahler-Vereinigung zum ersten Mal beim NDR-Sinfoniekonzert am 12. und 13. Februar 1989 vor. Dieses Konzert fand „in Verbindung mit der Gustav Mahler Vereinigung Hamburg“ statt; Hiroshi Wakasugi dirigierte Mahlers Vierte Symphonie, und Edith Mathis sang das Sopran-Solo. Spontan der Vereinigung beitretende Hörer sagten in der Konzertpause: „Warum gibt es sie erst jetzt?“ Die Mitgliederzahl stieg rasch auf über 100. Die Form der Präsentation mit dem „Info-Tisch“, der Verteilung der Zielsetzung und der Rose auf dem Tisch bestimmte von nun an die Öffentlichkeitsarbeit der Vereinigung bei Mahler-Konzerten in der Musikhalle und anderswo, besonders auch beim Schleswig-Holstein Musikfestival.

Am 30. April 1989 lud Lisa Sutor zu einer Soirée in den Hamburger Überseeclub ein. Kammersängerin Judith Beckmann sang, von Irving Beckmann begleitet, Lieder von Mahler und Strauss; Professor Floros sprach über „Gustav Mahler heute“. Dieser Abend galt als „Einstand“ der Vereinigung in der Hansestadt. Die Resonanz in der Presse und im Rundfunk war günstig. Der Versuch, ein Symphoniekonzert mit den Hamburger Symphonikern in der Musikhalle zu veranstalten, schlug allerdings fehl. Das für den 12. Mai geplante Konzert mit Mahlers Dritter Symphonie (Dirigent Carlos Kalmar) mußte wegen des allzu geringen Kartenvorverkaufs abgesagt werden. In Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Hamburg und ihrem Präsidenten Hermann Rauhe gab die Vereinigung am 11. Juli im Forum der Hochschule einen Mahler gewidmeten Konzert- und Vortragsabend, der von der Franz Wirth Gedächtnisstiftung unterstützt wurde, mit Ruth-Maria Nicolay (Alt), Gernot Kahl (Klavier), Professor Floros als Redner und mir als Moderator.

Die Zusammenarbeit mit dem GMD Gerd Albrecht und dem Opernintendanten Peter Ruzicka begann anläßlich des Mahler-Festes plus Mahler-Kongreß, das vom 3. bis zum 18. September 1989 in Hamburg stattfand. Wir waren daran mit der Organisation der Mahler-Ausstellung in der Musikhalle beteiligt, die in Form von Fototafeln aus Wien zu uns gelangt war; außerdem steuerten wir zum Mahler-Fest eine 30-seitige Broschüre Gustav Mahler und das Poster mit dem von uns gewählten Bildnis bei, das Mahler im Alter von Anfang Dreißig in Hamburg anfertigen ließ. Zum Abschluß des Kongresses veranstaltete unser Vorstandsmitglied Helga Meier-Windhorst im „Kutscherhaus“, wo sie der Vereinigung ein Domizil eingeräumt hatte, einen Empfang, zu dem sämtliche Kongreß-Referenten eingeladen waren.

Bürgermeister Ingo von Münch schrieb in einem Brief vom 3. Oktober 1989: „Den großen Erfolg des Gustav Mahler Festes möchte ich zum Anlaß nehmen, der Gustav Mahler Vereinigung für die wertvollen Beiträge zu danken, mit denen die Vereinigung diesem internationalen Orchesterfestival eine musikwissenschaftliche und eine zeitgeschichtliche Dimension hinzugefügt hat. Gerade diese geistigen Dimensionen setzen uns ein Stück vom häufig sehr äußerlichen Festivalgetriebe ab ... „

An die Mitgliederversammlung am 16. November 1990 schloß sich eine Gedenkfeier in memoriam Leonard Bernstein an, der am 14. Oktober verstorben war, mit Ausschnitten aus seiner Serenade und dem Abschied aus Mahlers Lied von der Erde. Der Versuch, in seinem Geist etwas für das Verständnis Gustav Mahlers zu tun, schien nicht erfolglos. Ende 1990 hatte die Vereinigung bereits 267 Mitglieder.

Zur Information der Öffentlichkeit ließ sie Anfang 1991 ein Faltblatt drucken, mit der Überschrift „Endlich ein Platz für Gustav Mahler in Hamburg!“. Darin hieß es: „Lange hat der bedeutendste Wahl-Hamburger darauf warten müssen, daß die Hansestadt eine Straße nach ihm benennt. Jetzt hat Gustav Mahler seinen Platz im Stadtbild gefunden: Fast auf den Tag genau hundert Jahre nach seinem Amtsantritt als Erster Kapellmeister des damaligen Stadttheaters wird ihm am 30. März 1991 (Ostersonnabend) um 10.30 Uhr an Ort und Stelle ein hübsches Stückchen Fußgängerzone gewidmet. Hamburgs neuer Gustav-Mahler-Platz befindet sich in der unmittelbaren Nähe seiner einstigen Wirkungsstätte, der heutigen Staatsoper, und zwar dort, wo die Colonnaden und die Große Theaterstraße sich kreuzen und die Büschstraße sowie die Fehlandtstraße einmünden. Damit sind die Staatsoper und das Steinway-Haus Anlieger des Platzes geworden. Hamburgs Stadtgöttin Hammonia besaß schon längst einen Platz der Republik (in Altona) und auch andere Plätze wie den Gerhart-Hauptmann-, den Karl-Muck- und den Hans-Albers-Platz. Später wurde es ihr eng, und um berühmte Hamburger zu ehren, mußte sie sich die Plätze bereits aus den Rippen schneiden: den Carl-von-Ossietzky-Platz, den Axel-Springer-Platz und nun auch den Gustav-Mahler-Platz. Ihn zu schaffen, hat die 1988 gegründete Gustav Mahler Vereinigung Hamburg vorgeschlagen. Sie betrachtet die Verwirklichung des Projekts, Gustav Mahler in Hamburg eine gute Adresse zu geben, als eine geglückte Bürgerinitiative ... Die Hansestadt darf stolz darauf sein, daß die Oper in Hamburg dank Gustav Mahler eine Glanzzeit hatte und daß einige seiner Werke, darunter auch die mit der Michaeliskirche auf eigenartige Weise verbundene Auferstehungssymphonie, in seiner Hamburger Zeit entstanden ... Die von Georg Borchardt konzipierte, in Zusammenarbeit mit der Dramaturgie der Staatsoper bewerkstelligte Ausstellung Gustav Mahlers Hamburger Jahre 1891-1897 wird ... im Parkett-Foyer der Oper eröffnet ...“

Am 30. März stimmte ein Philharmoniker, der aus einem Fenster des Opernverwaltungsgebäudes die Melodie des Posthornsolos der Dritten Symphonie von Mahler blies, die Besucher auf den Widmungsakt ein, an dem auch Marina Mahler, die Enkelin des Komponisten, teilnahm. Bürgermeister von Münch hielt eine Ansprache und enthüllte eines der Straßenschilder mit der Inschrift „Gustav-Mahler-Platz”. Es schloß sich eine Matinée im Opernhaus an, bei der Christa Ludwig, von Charles Spencer am Flügel begleitet, Wunderhorn-Lieder von Mahler sang. Dann eröffnete Peter Ruzicka die Ausstellung, und auch ich ergriff das Wort, stellvertretend für den erkrankten Präsidenten Professor Floros.

Ein sechs Meter breites Transparent, das der Juwelier und Mahlervereinigte Hellmut Wempe gestiftet hatte, war in jenen Tagen über der großen Theaterstraße zwischen dem Opernhaus und dem Verwaltungsgebäude aufgespannt und half mit, daran zu erinnern, daß Hamburg eine Mahler-Stadt ist. Zur ständigen Erinnerung ließ die Vereinigung an der Fassade von Mahlers einstigem Wohnhaus in der Bundesstraße Nummer 10 in Hamburg eine granitene Gedenktafel anbringen.

Am 14. November 1991 war sie zum ersten Mal an einer auswärtigen Veranstaltung beteiligt. Anläßlich der norddeutschen Erstaufführung von Mahlers Zehnter Symphonie in der Fassung von Deryck Cooke durch Klauspeter Seibel in Kiel fand im dortigen Sophienhof ein Podiumsgespräch statt. Die Teilnehmer waren Berthold Goldschmidt, der Cooke beraten und die Erstaufführung der Konzertfassung dirigiert hatte, Professor Floros, Professor Peter Petersen, Professor Klauspeter Seibel und ich als Moderator. Wenig später, im Januar 1992, erklang Mahler-Cookes Zehnte in der Hamburger Musikhalle, gespielt von den Philharmonikern unter Gabriel Chmura; am damit verbundenen Symposion in der Musikhalle, an dem die Mahlervereinigung beteiligt war, nahmen Peter Ruzicka, Constantin Floros, Peter Revers und Hans Wollschläger teil.

Die aus 20 Tafeln bestehende Ausstellung Gustav Mahlers Hamburger Jahre 1891-1897 wurde im Sommer 1992 im Museum „Langes Tannen“ in Uetersen und anschließend beim Schleswig-Holstein Musikfestival in der Konzertscheune in Salzau gezeigt; im November dann im Kieler Opernhaus im Zusammenhang mit Seibels Aufführung von Mahlers Siebenter Symphonie.

Eine Besonderheit war der Abend am 19. November 1992 im Hamburger Überseeclub, mit Gerd Albrecht und Constantin Floros im Kolloquium über Mahler, denn hier arbeitete der Club zum ersten Mal in seiner Geschichte mit einer anderen Vereinigung zusammen, nämlich der Mahlervereinigung.

Auf einer Reise nach Tschechien entdeckten zwei der aktivsten „Mahlervereinigten“, Dorrit und Hans-Heinrich Kuhn, 1993 im Museum von Humpolec, einem Städtchen in der Nähe von Mahlers Geburtsort Kalischt, die Bronzebüste, die der Prager Bildhauer Milan Knobloch Bildnissen des jungen Mahler um die Dreißig nachempfunden hat. Im nächsten Jahr kaufte die Vereinigung die Büste von dem Künstler.

Am 9. September 1993 referierten Professor Eugen Biser (München) und Professor Floros in der Katholischen Akademie in Hamburg über Mahlers Religiosität. Ihre Vorträge erschienen später als eine Broschüre der Akademie, mit der Unterstützung der Mahler-Vereinigung, unter dem Titel Über Gustav Mahler. An dem Podiumsgespräch am 12. Dezember 1993 über Mahlers Lied von der Erde in der Hamburger Opera stabile, nahmen Gerd Albrecht, Constantin Floros, Peter Ruzicka und ich teil; Ning Liang (Alt) sang Ausschnitte aus dem Werk, und Rainer Mühlbach begleitete sie am Flügel.

Der Zufall wollte es, daß Mahlers Hamburger Freund und Mäzen, der Komponist Hermann Behn, früher als Mahler in der Hamburger Musikhalle bildlich geehrt wurde, und zwar mit einem an der Wand des zentralen Treppenaufgangs angebrachten Relief-Porträt. Bei der Feier zum 90. Geburtstag des Stifters Dr. Hans Wilhelm Hertz am 24. März 1994 in der Musikhalle sprach Bürgermeister Henning Voscherau, und anschließend sprach ich über Mahler und Behn im Namen der Mahlervereinigung.

Am 17. April 1994 wurde die als Leihgabe der Vereinigung im Parkettfoyer der Hamburgischen Staatsoper installierte Mahlerbüste Milan Knoblochs von dem Künstler in einem Festakt enthüllt. Es sprachen die Dramaturgin Susanne Stähr, Professor Floros und ich; Urban Malmberg (Bariton) sang Lieder von Mahler, Marianne Engel (Geige), Sönke Hinrichsen (Bratsche), Markus Tollmann (Cello) und Rainer Mühlbach (Klavier) spielten sein Klavierquartett.

In einer Veranstaltung des Richard Wagner-Verbandes und der Mahlervereinigung hielt Professor Floros am 8. Juni 1994 im Hamburger Logenhaus Welckerstraße einen Vortrag über „Tag und Nacht in Wagners Tristan und Mahlers Siebenter Symphonie“. Am gleichen Ort setzte die Vereinigung ihre Reihe „Mahler und die Folgen“ mit „Peter Ruzicka und Gustav Mahler“ am 16. März 1995 fort. Nach einem Referat von Thomas Schäfer befragten Professor Floros und ich den Komponisten Ruzicka über sein Verhältnis zu Mahlers Musik. Dieser Abend fand in Verbindung mit dem Musikverlag Sikorski statt.

Die Vortrags- und Diskussionsabende der Vereinigung - immer mit Klangbeispielen - erwiesen sieh im Hamburger Kulturspektrum als attraktiv und waren gut besucht. Studierende der Musikhochschule, Michaela Blank (Sopran), Thorsten Scharnke (Tenor), Burkhard Kehring (Klavier) sowie Thomas Wehling und Tarek Youzbashi als Sprecher führten Georg Borchardts Montage Verlorene Feldwacht nach Liedern von Mahler und Texten von Karl Kraus (aus Die letzten Tage der Menschheit) am 20. April 1995 im Kleinen Saal der Musikhalle und am 27. April 1995 im Museum für Hamburgische Geschichte auf. (Die Uraufführung hatte 1989 beim Mahlerfest in der Opera Stabile stattgefunden, mit Gabriele Rossmanith, Wolfgang Holzmaier, Carol Tainton, Hermann Lause und Ulrich Tukur).

Die Vereinigung gab ein neues Faltblatt „Ziele und Aktivitäten“ heraus und ließ Postkarten mit der Abbildung ihrer Mahler-Büste drucken. In der Reihe „Mahler und die Folgen“ referierte ich am 9. Mai 1995 in der Musikhalle, in Verbindung mit dem Sikorski Verlag, über „Alfred Schnittke und Gustav Mahler“. Die Hamburger Kultursenatorin Dr. Christina Weiss schrieb in einem Brief vom 28. August 1995: „Mit Freude nehme ich zur Kenntnis, daß Ihre Vereinigung ein weiteres Mal das Gedenken an Gustav Mahler in das Blickfeld des städtischen Musiklebens rücken will. Im Foyer der Staatsoper erinnert dank Ihrer Bemühungen die gelungene Büste von Milan Knobloch an das Wirken von Gustav Mahler in Hamburg. Das Schaffen eines Pendants vom gleichen Künstler für das Foyer der Musikhalle halte ich für eine glückliche Lösung ... Ich danke für diese neue Initiative der Gustav Mahler Vereinigung und freue mich auf den Tag der Einweihung der Büste ...“

Die bisher größte Veranstaltung der Mahlervereinigung fand in Verbindung mit dem NDR, der Kaplan Foundation (New York) und dem Amerikanischen Generalkonsulat zu Hamburg am 7. November 1995 in der Katholischen Akademie statt. Der Mahler-Enthusiast, -Herausgeber und -Dirigent Gilbert Kaplan sprach über „Die Innenwelt der Zweiten Symphonie von Mahler“, und ein Empfang schloß sich an. Die Vereinigung war als Mitveranstalter an den zwei Konzerten in der Hamburger Michaeliskirche beteiligt, bei denen die von Kaplan dirigierten NDR-Sinfoniker Mahlers Zweite Symphonie aufführten. In der Michaeliskirche hatte Mahler während der Trauerfeier für Hans von Bülow am 29. März 1894 die Inspiration zur Textgestaltung des Finales seiner Auferstehungssymphonie empfangen.

An der Podiumsdiskussion über „Gustav Mahlers Aktualität“ am 1. Februar 1996 in der Opera stabile nahmen Constantin Floros, Peter Ruzicka, Klauspeter Seibel und ich teil. Professor Floros hielt am 16. April im Logenhaus Welckerstraße einen Vortrag über „Alban Berg und Gustav Mahler“. Das Konzert der Hamburger Symphoniker am 28. April 1996 in der Hamburger Musikhalle fand „mit Unterstützung der Gustav Mahler Vereinigung“ statt; eine großzügige Spende von Hellmut Wempe half mit, die Verstärkung der Orchesterkräfte für die von Jac van Steen dirigierte Aufführung der Siebenten Symphonie Mahlers zu engagieren. Vor dem Konzert gab ich auf Einladung des Orchesters in der Musikhalle eine Einführung in das Werk.

Außer den erwähnten öffentlichen Veranstaltungen der Mahler-Vereinigung gab es in jedem Jahr einige interne Informations- und Diskussionsabende oder -Matinéen in der Musikhalle, in der Evangelischen Akademie, im Plaza Hotel und in der Berenberg Bank, mit reger Beteiligung der Mitglieder. Dabei referierten Vereinigungsmitglieder: Prof. Dr. Vladimir Karbusicky (über Mahlers Freund Josef B. Foerster), Dr. Otto Brüggemann (über Schubert-Mahlers Der Tod und das Mädchen), Alexander Odefey (Mahlers Rückert-Lieder), Dr. Gerhard Schneider (Mahler-Cookes Zehnte Symphonie), Jochen Neurath mit den Gästen Kay Ivo Nowáck und Johannes Harneit (die als Komponistentrio “Neunoneit“ auch zusammenarbeiten), die originell zu der Reihe „Mahler und die Folgen“ beitrugen, Dr. Eberhard Stromberg („Thomas Mann und Gustav Mahler“). Vorgeführt wurden auch Videoaufzeichnungen von Mahlers Zweiter (Leonard Bernstein) und Achter Symphonie (Klaus Tennstedt), auf großer Leinwand und mit großen Lautsprechern.

In den Jahren 1989 bis 1995 folgten im Anschluß an die Mitgliederversammlungen im Saal E der Musikhalle jeweils Konzerte: Mit Judith und Irving Beckmann, einem von der Oscar und Vera Ritterstiftung unterstützten studentischen Ensemble - Reiko-Christine Höhmann (Klavier), Martin Höhmann (Geige), Christiane Kapp (Bratsche) und Jan Hendrik Rübel (Cello) -‚ mit dem Klavierduo Evelinde Trenkner und Sylvia Zenker (Mahlers Sechste Symphonie in der Einrichtung von Alexander von Zemlinsky), mit Raimonds Spogis (Bariton) und Christiane Dickel, unterstützt von Margot Brandes und der Franz Wirth Gedächtnis Stiftung, und mit Cornelia Zach (Sopran) und Thomas Grubmüller (Klavier), die die gleiche Unterstützung bekamen.

Darüber hinaus war die Vereinigung an Mahler-Aufführungen der NDR-Sinfoniker, der Hamburger Philharmoniker, des Orchesters der Musikhochschule Hamburg und des Hamburger Jugendorchesters als nominelle Mitveranstalterin beteiligt. Sie steht in Verbindung mit der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft in Wien, der Internationalen Johannes Brahms Gesellschaft, der Hans Pfitzner-Gesellschaft, dem Richard Wagner-Verband in Hamburg, der Scharwenka-Gesellschaft Lübeck, der Erich Wolfgang Korngold-Gesellschaft, der Kurt Weill Foundation (New York), der Gustav Mahler Stichting Nederland (Holland), der Bibliothèque Gustav Mahler (Paris) und der Carl Maria von Weber-Gesellschaft.

Mit ihren bis jetzt mehr als 400 Mitgliedern, auch über Hamburg hinaus und im Ausland, aus allen Bevölkerungs- und Altersgruppen, darunter viele junge Leute, gilt sie als eine der größten und aktivsten Kulturvereinigungen Norddeutschlands. Zu ihren prominentesten Mitgliedern gehören Gerd Albrecht, Heribert Beissel, Aldo Ceccato, Christoph Eschenbach, Justus Frantz, György Ligeti, Christa Ludwig, John Neumeier, Hermann Rauhe, Peter Ruzicka, Hanna Schwarz und Klauspeter Seibel. Sie plant einen Internationalen Gustav Mahler Gesangswettbewerb, ein Gustav Mahler Dokumentationszentrum in Hamburg mit einer Bibliothek, einem Tonträger- und Video-Archiv und einer Datensammlung zur Rezeptionsforschung, und ein Museum im Mahler-Haus.

 

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