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Nachruf für Prof. Dr. h. c. Klauspeter Seibel (7.5.1936 - 8.1.2011)

von Georg Borchardt

Er war der Dirigent des von John Neumeier überaus eindrucksvoll choreographierten Mahler-Balletts, das seit den siebziger Jahren zu einem wahren Kultstück für Ballett-Freunde wurde: DRITTE SYMPHONIE; unvergessen ist eine Freilicht-Aufführung auf dem Hamburger Rathausmarkt unter seiner musikalischen Leitung. Auch bei weiteren Mahler-Balletten setzte Neumeier seine Zusammenarbeit mit Klauspeter Seibel fort, der 1978 der Stellvertreter des Hamburger Generalmusikdirektors Christoph von Dohnányi wurde. Die Gustav Mahler Vereinigung konnte sich glücklich schätzen, den kompetenten Mahler-Interpreten als Mitarbeiter gewonnen zu haben. Nach dem Rücktritt von Prof. Dr. Constantin Floros wurde er 2007 zum Präsidenten gewählt, vermochte jedoch zu unserem großen Bedauern nur für kurze Zeit im Amt zu bleiben. Doch er hat sich uns so tatkräftig und liebenswürdig eingeprägt, daß wir ihn - unser Ehrenmitglied - dauerhaft in der Erinnerung behalten werden.

Um die Zeit, als das hamburgische Hotel PLAZA (später RADISSON) - nicht weit vom Dammtorbahnhof und von Mahlers Wohnhaus in der Bundesstraße - der Mahler-Vereinigung für Sonntagsmatinéen manchmal einen Raum kostenfrei überließ, lernten wir Klauspeter Seibel näher kennen: Er war an einem Gesprächsprogramm über Mahlers komische Oper DIE DREI PINTOS beteiligt. Mit dieser genialischen Komplettierung der rudimentären Skizzen Carl Maria von Webers hatte Mahler in Leipzig seinen ersten großen Erfolg als Komponist gefeiert, und viele weitere Aufführungen in Deutschland und sogar im Ausland schlossen sich an.

Nachdem Klauspeter Seibel 1987 Generalmusikdirektor in Kiel geworden war, dirigierte er dort als erste Aufführung im nördlichsten Deutschland Mahlers Zehnte Symphonie in der Fassung von Deryck Cooke. Damals kam im Zusammenhang damit im Kieler Sophienhof - in Kooperation mit der der jungen Gustav Mahler Vereinigung - ein von mir moderiertes Symposion zustande. Zu den Gesprächsteilnehmern gehörten Klauspeter Seibel, der damalige Kieler Intendant Peter Dannenberg sowie Prof. Dr. Constantin Floros, Prof. Dr. Peter Petersen und glücklicherweise auch der vor den Nazis nach London geflohene Komponist Berthold Goldschmidt, der aus Hamburg stammte und um die Zeit seine Geburtsstadt besuchte. Er war Cookes wichtiger maßgeblicher Mitarbeiter bei der Erstellung der kompletten Partitur von Mahlers Zehnter gewesen, in welcher die orchestrale Gestalt der von Mahler unvollendet hinterlassenen Sätze in Wahrheit vor allem Goldschmidts Werk ist.

Klauspeter Seibel hat eine leitende Position in Frankfurt, Hamburg und Kiel und von 1995 bis 2010 beim Louisiana Philharmonic Orchestra in New Orleans (USA) inne gehabt. Mit der Hansestadt war er auch durch seine Dirigate bei den Hamburger Symphonikern und durch seine einflußreiche Lehrtätigkeit an der Musikhochschule verbunden. An einem der Höhepunkte seiner Laufbahn war er mit der Mahlervereinigung beteiligt: Die Deutschland-Tournee des Bundesjugendorchesters im Januar 2008 unter seiner Leitung - mit der Vierten Symphonie und Wunderhornliedern Mahlers - getanzt vom Hamburger Ballettnachwuchs in den Choreographien von Neumeier, fand ihren umjubelten Abschluß im Hamburger Opernhaus. Es war Klauspeter Seibel vergönnt, seinem schweren Leiden Phasen der Besserung abzutrotzen: Mehrfach war er wunderbarerweise wieder imstande, zu reisen und zu dirigieren. Die Trauer um ihn ist mit dankbarem und liebevollem Gedenken verbunden. Für das Konzert im Anschluß an unsere Jahresversammlung hatte er seinen Freund, den Hamburger Kammersänger Harald Stamm, dazu bewogen, uns ein Benefiz mit Liedern von Brahms, Wolf und Mahler zu geben, mit ihm selbst am Flügel - souverän und unprätentiös - so war er!

 

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